Die drei Quellen von Cookies Können

Behandlungsräume

Einen goldenen Buddha aus Chiang Mai hat Cookie in das Schaufenster ihres Organic Spa gestellt – Sinnbild für Gelassenheit und Entspannung. Innen warten heimelige Wohn-Atmosphäre, warmes Licht, sanfte Musik und eine köstliche Tasse Tee. Bloß keine Hektik. In ihrem Organic Spa lebt Cookie ihren Traum: gestressten und leidenden Menschen Linderung zu bringen. Mit Erfolg. „Absolutely perfect! The best massage ever!“ schwärmte ein Tänzer von Holiday on Ice in ihrem Gästebuch.

Cookies Können schöpft aus drei Quellen: aus ihren Genen, ihrer Herkunft und ihrer Ausbildung. Sie kam in Thailand als Kind eines indischen Vaters und einer Mutter mit thailändischen und indischen Vorfahren zur Welt. Ihr indischer Großvater, im Alter als wandernder Mönch lebend, wusste alles über indische Medizin. Er sammelte Heilkräuter in den Wäldern, machte Massageöl daraus und behandelte leidende Menschen. Auch die Großmütter – so ist es Tradition in Thailand - massierten die Schmerzen aller Familienmitglieder mit kundigen Händen fort. „Man hatte auf dem Land kein Geld, um Paracetamol zu kaufen. Also wurden Kopfschmerzen wegmassiert.“ Als Cookie im Jahre 2010 in der angesehenen Chiva-Som Academy moderne Massagetechniken studierte, staunte sie sehr: „Was reden die da? Was machen die da? Das weiß ich doch alles längst von meinem Opa! Von meiner Oma!“

Doch zunächst deutete auf Cookies Lebensweg nichts auf ihr Organic Spa in der Kieler Legienstraße hin. Sie machte eine Ausbildung zur Reiseleiterin und Reiseverkehrsfrau, arbeitete in der Tourismusbranche und studierte daneben noch BWL. Sie schloss als beste Studentin ihres Jahres ab, Ihre außerordentlichen Leistungen würdigte König Bhumibol mit dem König Scalar Price. Für ihre eigene Entspannung beschäftigte sich Cookie mit Wellness und Ayurveda. Der Tsunami Ende 2004 machte alles zunichte. Eine Schwester starb, der Vater erlitt einen Schlaganfall.

Und dann krempelte die große Liebe ihr Leben von einem Tag auf den anderen um: Thommy Schröder sah sie Ende 2005 im Kleiderladen ihres Vaters wenige Tage vor seinem Urlaubsende. Immense Telefonrechnungen waren die Folge, Reisen hin und her, abgelaufenes Visum, schwere Krankheit, schließlich der spontane Entschluss: Heirat in Kiel! In schmucken Uniformen standen Thommys Kameraden von der Luftwaffe Spalier und die Transall flogen übers Standesamt und wackelten grüßend mit den Flügeln.

Und Cookie lernte. Deutsch natürlich, aber auch Massage. Seit dem Tsunami litt sie ständig unter starken Schmerzen. Sie wurde schon in Thailand behandelt und redete viel mit ihrem Arzt. „Ich wollte alles über mich und meinen Opa wissen.“

2008 besuchte sie die Chiva-Som Academy in Bangkok das erste Mal, sechs Monate lang. An einen eigenen Beruf dachte sie damals nicht. Es ging ihr körperlich schlecht: „Ich wollte nur etwas für mich selbst machen.“

In Kiel wuchs der Gedanke: „Nichtstun ist nicht genug für mich. Ich will auf eigenen Beinen stehen.“ Noch einmal studierte sie drei Monate lang an der renommierten, teuren Academy, bekam ihre Zertifikate – und bewarb sich in Kiel bei einem gerade neu eröffneten Wellness Spa. Ihr Ehemann war ihr bei der Verwirklichung ihrer Pläne von Anfang an eine zuverlässige Stütze. Bei der Probemassage war er ihr Testpatient.

Cookie hatte von Anfang an großen Zulauf. Ihre Chefin freute sich über 30 Prozent Umsatzsteigerung. Aber Cookie selbst begann ihre freiberufliche Tätigkeit in dem Wellness Spa sehr schnell kritisch zu sehen. „Es war die totale Hektik. Für jeden Kunden waren 30 Minuten eingeplant, davon 25 Minuten Massage. Das bedeutete: innerhalb von fünf Minuten musste er verschwinden, musste die Liege für den nächsten hergerichtet sein. Ich fragte mich: Was mache ich hier eigentlich? In der Academy hatte ich gelernt, jeden Menschen nach seiner Persönlichkeit zu behandeln. Ich wollte das, was ich gelernt hatte, ausüben und kreativ weiterentwickeln“. Sie plant ihre Selbständigkeit.

Ihre ersten Schritte auf diesem Weg: das Zertifikat in deutscher Sprache, der Einbürgerungstest, die deutsche Staatsangehörigkeit.

Dann sahen sich Thommy und Cookie nach einemgeeigneten Laden um. Sie suchten ein ganzes Jahrbis sie das aufgegebene Rosenthal-Geschäft fanden und für gut befanden. Sie richteten es sorgfältig ein – jede Kleinigkeit auf das Wohlgefühl der Kunden ausgerichtet. Dazu legte sich Cookie auf die edlen Körperpflegeprodukte der thailändischen Firma Panpuri fest – alles rein organisch. Im August 2011 war Eröffnung. Cookie erinnert sich: „Die erste Kundin war eine ältere Frau, die aus der Augenklinik kam und erst nach einer Stunde wieder Auto fahren durfte.“ Einen einzigen Tag nur hat sie auf Kunden warten müssen.

Im Frühjahr 2013 war Cookie dann wieder für sieben Wochen in Thailand um weiter zu lernen. Siebeschäftigte sich mit Reiki und brachte dieses Mal aus der Chiva-Som Academy auch die Techniken der Fußreflexzonen-Massage, der Maya-Massage und der indischen Kopfmassage mit. Es soll nicht ihr letzter Besuch in der Academy sein, sie möchte mehr, immer mehr lernen.

Cookies Großvater ist inzwischen verstorben, aber aus der Ferne hat er noch miterleben können, wie Cookie ihr Organic Spa in Kiel erfolgreich aufbaute und ihren Traum zu leben begann. Wie sie nun leidenden Menschen Linderung verschaffen kanndurch eine wunderbare Kombination der Empfindsamkeit ihrer Hände, ihrer modernen Massagetechniken und ihrer Kenntnis der traditionellen asiatischen Medizin, die er ihr übermittelt hatte. Wenige Tage vor seinem Tode erzählte sie ihm davon am Telefon: Opa, ich mache jetzt alles, was Du mir gezeigt hast. „Er konnte nicht mehr sprechen“, sagt sie, „aber meine Schwester hat mir erzählt, dass er in die Hände klatschte.“